
40 Jahre dringlicher Bundesbeschluss zur Raumplanung: Zum Jubiläum dringend Massnahmen nötig
24.01.2012
Vor 40 Jahren beschloss
das Parlament im Eilzugstempo dringliche Massnahmen gegen die Zersiedelung. Und
doch ist seither die Landschaft im Eiltempo verbaut worden. Noch in diesem Jahr
kann der Nationalrat aber endlich ernst machen mit einer glaubwürdigen
Raumplanung – indem er einschwenkt auf den Vorschlag des Ständerates zur Revision
des Raumplanungsgesetzes. Es ist höchste Zeit, dem Landverschleiss Grenzen zu
setzen.
Am 26. Januar 1972, vor 40 Jahren, hat
der Bundesrat dem Parlament «dringliche Massnahmen im Bereiche der Raumplanung»
vorgelegt. Mittels Bundesbeschluss sollten «Bauwut, Zersiedelung und
Bodenspekulation» in die Schranken gewiesen werden. Diese Probleme hatten zu
Beginn der 1970er Jahre Bevölkerung und Politik derart in Aufruhr versetzt,
dass nun die Kantone verpflichtet wurden, im Eilverfahren provisorische
Schutzzonen auszuscheiden, in denen nicht mehr gebaut werden durfte.
Massnahmen
haben nicht gegriffenVierzig Jahre später muss ernüchtert
festgestellt werden, dass die damaligen Probleme kaum gelöst sind. Zwar
existiert heute die Trennung des Baugebiets vom Nichtbaugebiet. Allerdings
wachsen die Bauzonen ungebremst an, und in der offenen Landschaft werden derart
viele Ausnahmebewilligungen gewährt, dass mittlerweile jedes vierte Gebäude (total
540'000) ausserhalb der Bauzone steht. Die Zersiedelung galoppiert weiterhin
ungebremst. Betrug die Siedlungsfläche um 1972 etwa 2000 Quadratkilometer, sind
es heute 3000 Quadratkilometer (Zunahme um 50%!).
Die Suche nach
Lösungen braucht wieder mehr FahrtDer Bundesbeschluss ist 1972 noch in der
Frühlingssession im März mit der Unterstützung aller Fraktionen in beiden Parlamentskammern
einstimmig (!) verabschiedet worden. Der Tatendrang von damals ist längst
erlahmt. Das Parlament wird zwar auch in der diesjährigen Frühlingssession eine
Revision des Raumplanungsgesetzes diskutieren. Wieder soll der Zersiedelung ein
Riegel geschoben werden. Anders als 1972 ist die Vorlage diesmal aber höchst
umstritten. «Obwohl sich das Problem heute verschärft präsentiert, stemmen sich
bürgerliche Kreise vehement gegen eine wirkungsvolle Raumordnungspolitik»,
kritisiert Marcus Ulber, Pro Natura Raumplanungsexperte und Geschäftsführer des
Vereins «Ja zur Landschaftsinitiative». «Es gibt grosse Differenzen zwischen
Stände- und Nationalrat. Wenn die Revision vielleicht diesen Herbst beschlossen
wird, wird die Beratung nicht wie 1972 7 Wochen, sondern fast 140 Wochen
gedauert haben.»
Schon 1972 wurde festgehalten, dass der
damalige Bundesbeschluss wohl 20 Jahre zu spät komme. Der Nationalrat hat es in
seinen Händen, das Tempo im Kampf gegen die Zersiedelung wieder zu erhöhen. Am 23.
und 24. Januar 2012 debattiert seine Umweltkommission (UREK) über den
lösungsorientierten Gesetzesvorschlag des Ständerates. In der Frühlingssession
2012 wird das Plenum des Nationalrates der kleinen Kammer hoffentlich folgen
und eine griffige Revision des Raumplanungsgesetzes beschliessen.
Weitere
Auskünfte:
Marcus Ulber, Pro Natura
Raumplanungsexperte und Geschäftsführer des Vereins ««Ja zur
Landschaftsinitiative», Tel. 061 317 91 35, marcus.ulber@pronatura.ch