
Landschaftsinitiative bleibt ohne ernstzunehmenden Gegenvorschlag
29.09.2011
Der
Nationalrat hat seine Chance nicht genutzt. Sein indirekter Gegenvorschlag zur
Landschaftsinitiative kann keine ernstzunehmende Alternative zur populären
Volksinitiative sein. Ohne Mehrwertabschöpfung und ohne Pflicht zur
Redimensionierung der zu grossen Bauzonen fehlt es ihm an allem, was für einen
künftig haushälterischen Umgang mit der wertvollen Ressource Boden dringend
nötig ist. Die Initianten der Landschaftsinitiative bedauern die Konzeptlosigkeit
der grossen Kammer.
Von «links» bis «rechts» im politischen
Lager wird die Zersiedelung der Schweiz in seltener Einmütigkeit als Problem
erkannt. Wenn es um griffige Massnahmen gegen die Verschleuderung des
wertvollen Guts Boden geht, zeigt der Nationalrat aber eine erschreckende Konzeptlosigkeit.
Trotz mehrstündiger Debatte und brauchbarem Vorschlag des Ständerates kann sich
der Nationalrat zu keinem ernsthaften Lösungsansatz gegen die
Raumplanungsmisere in der Schweiz durchringen. Er hat sämtliche griffigen
Elemente aus der Vorlage gestrichen. «Der Nationalrat setzt auf das Prinzip
Hoffnung, wenn er mit rein kosmetischen Anpassungen am bestehenden
Raumplanungsgesetz eine Trendwende beim Bodenverschleiss erreichen will»,
kommentiert Raimund Rodewald, Vize-Präsident des Vereins «Ja zur
Landschaftsinitiative», den nationalrätlichen Gegenentwurf zur Landschaftsinitiative.
Ohne Verkleinerung überdimensionierter Bauzonen,
ohne Kompensation neuer Bauzonen und ohne die Abschöpfung eines Teils des
Mehrwertes bei Einzonungen wird der heute beschlossene indirekte Gegenvorschlag
des Nationalrates am gravierenden Vollzugsnotstand in der Schweizer Raumplanung
nichts ändern. Sogar die beschlossene Stärkung des kantonalen Richtplanes
bleibt hohl, solange die Bauzonenfläche den künftigen Bedarf weiterhin
überschreiten darf.
Ein solcher Gegenvorschlag zur
Landschaftsinitiative ist untauglich. Raimund Rodewald: «Entweder wird der Nationalratsentscheid
im Bereinigungsverfahren korrigiert oder das Stimmvolk wird mit seinem Ja zur Landschaftsinitiative
der Raumplanungspolitik in der Schweiz Beine machen können.
Weitere Auskünfte:
Sophie Michaud Gigon, secrétaire romande von Pro Natura, Vorstandsmitglied des Vereins «Ja zur Landschaftsinitiative», Tel. 077 434 64 08
sophie.michaud@pronatura.ch
Dieses Communiqué erscheint auch auf Französisch sowie unter www.pronatura.ch/aktuell.