Abstimmung: Zwei Kantone äussern sich zur Bodennutzung, Interview mit Anne DuPasquier

03.12.20

Anne DuPasquier

Anne DuPasquier, Expertin für nachhaltige Entwicklung und Mitglied des Initiativkomitees der Landschaftsinitiative.

Im Kanton Luzern wurden zwei Volksinitiativen verworfen, die einen besseren Schutz des Kulturlandes verlangten. Welche Folgen hat dieser Entscheid?

Es ist immer bedauerlich, wenn man verliert! Neben der Enttäuschung über das Abstimmungsergebnis ist dies aber auch ein Test, aus dem man Lehren ziehen muss. Jetzt geht es darum, nach vorne zu blicken, aber auch die Gründe für diese Ablehnung zu analysieren. Die Kulturlandschaft und vor allem die Fruchtfolgeflächen müssen besser geschützt werden. Wahrscheinlich wurde nicht klar genug vermittelt, worum es bei dieser Abstimmung genau ging. Der Gegenvorschlag der Kantonsregierung, der knapp angenommen wurde, ist zwar ungenügend, aber er zeigt doch die Entwicklung eines Bewusstseins.

Was ist die Botschaft für die übrige Schweiz?

Es muss weiterhin erklärt werden, dass unsere Böden und Landschaften zunehmend unter Druck stehen und dass dieser Trend mit der Landschaftsinitiative gestoppt werden kann. Ihr Ziel ist ein besserer Schutz der Landschaft in der ganzen Schweiz.

Einerseits brauchen wir klare Regeln, um zu verhindern, dass ständig mehr Ackerland verschwindet. Dies entspricht auch dem Ziel, der Schweizer Bevölkerung eine Ernährung zu garantieren, die auf einer hochwertigen einheimischen Produktion basiert. Der Bundesrat hat eben die Vernehmlassung zu seiner Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 eröffnet und darin die Ernährung zu einem seiner drei Schwerpunktthemen erklärt. Er legt insbesondere fest, dass die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten werden müssen, und will unter anderem sozial- und umweltverträgliche Produktionsmuster fördern. In Krisenzeiten zeigen sich die Vorteile von kurzen und diversifizierten Kreisläufen. Hinzu kommt, dass die Qualität der Ernährung ein wichtiger Gesundheitsfaktor ist. Die Landschaftsinitiative will zu einem nachhaltigeren Ansatz beitragen.

Andererseits ist die Landschaft eine Ressource, die nicht nur die Grundlage unseres Tourismus bildet, sondern auch unsere Lebensqualität begründet. Es gibt eine grosse Nachfrage nach Erholungsräumen in der Nähe von städtischen Gebieten. Das hat der Lockdown während der Covid-19-Pandemie gezeigt: In dieser Zeit haben viele Menschen – auch junge – die Natur (wieder) entdeckt und sie staunen über die Schönheit unserer Landschaften und natürlichen Räume.

Zudem sind der Erhalt der Landschaften und der Schutz der Biodiversität, die sich in der Schweiz und weltweit in einem alarmierenden Zustand befindet, untrennbar miteinander verbunden. Indem wir unsere Landschaften schützen, wird also auch die Biodiversität gefördert.

Welche Folgen hat das Nein in Luzern für die Landschaftsinitiative?

Die Kommunikation muss verstärkt werden. Konflikte müssen auf transparente Weise bewältigt werden. Indem wir alle Herausforderungen (Klimaerwärmung, Schwinden der Biodiversität, Risiken für die Zukunft der Landschaft und des Tourismus …) besser erklären, können wir mehr Bevölkerungsgruppen davon überzeugen, dass rasch gehandelt werden muss.

Die Raumplanung ist ein komplexes Thema und führt oft zu Konflikten: Ist die Lösung auf nationaler oder kantonaler Ebene zu finden? Sollten andere Kantone ebenfalls diesen Weg einschlagen und eigene Initiativen lancieren?

Die Raumplanung ist tatsächlich komplex, und es ist schwierig, ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Interessen und den zahlreichen beteiligten Akteuren zu finden. Was das Bauen ausserhalb der Bauzone anbelangt, ist der Bund zuständig. Auf kantonaler Ebene kann mit der Lancierung von Initiativen zu diesem heiklen Thema eine Debatte in der Bevölkerung ausgelöst werden. Am vergangenen Wochenende haben die Genferinnen und Genfer beispielsweise die Umzonung eines Landwirtschaftsgebietes abgelehnt, das als Gelände für das Recycling von Baustellenabfällen genutzt werden sollte. Dies zeigt, dass das Thema die Bevölkerung bewegt und dass sie empfänglich dafür ist. Das sind keine Diskussionen, die nur den Fachleuten vorbehalten sind; die Bevölkerung muss einbezogen werden. Der Umgang mit der Landschaft ist bereichsübergreifend und nur ein globaler Ansatz, der alle involvierten Akteure umfasst, kann zu einer Lösung führen.

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